Gedenken in Velpke an Todesopfer der NS-Zeit

Gemeinsam mit Abstand gedenken!
Velpke. Am 8. Mai wurde auch in Velpke wieder der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Trotz der Beschränkungen durch die Coronakrise sollte auf diese Zeremonie nicht verzichtet werden. So fand sich eine kleine Gruppe auf dem Velpker Friedhof an der Gedenkstätte zusammen. Neben dem Samtgemeindebürgermeister Rüdiger Fricke und dem Gemeindebürgermeister Mark Kreutzberg waren Vertreter des IG Metall Wohnbezirks Velpke und unserer SPD Ortsabteilung sowie die Pastorin Tanja Klettke von der ev. Kirchengemeinde anwesend. Einige zufällige Besucher des Friedhofes sahen in gebührendem Abstand zu. Es gab kurze Redebeiträge seitens der SPD und der IGM und Pastorin Klettke lud zum gemeinsamen Gebet.

Die Rednergruppe von links: Pastorin Tanja Klettke, Harald Ludwig und Holger Latzel von der Velpker SPD Ortsabteilung und Stefan Stolzenburg vom IGM Wohnbezirk Velpke. (Foto privat)
In der Mitte vorn: Bürgermeister Mark Kreutzberg und hinter ihm Samtgemeindebürgermeister Rüdiger Fricke. (Foto privat)
Pastorin Tanja Klettke und der Blick auf die Gedenkstätte. (Foto privat)

Der nachfolgende Video zeigt eine Zusammenfassung des Ablaufs und wurde freundlicherweise vom IGM Wohnbezirk Velpke geteilt.

Anmerkung zum Video von Harald Ludwig, unserem Pressewart.

Da in dem Videoclip nur Teile der Reden gezeigt werden und eine Quellangabe aus meiner Rede fehlt, hier nochmal mein gesamter Text:

Als vor 75 Jahren, am 8. Mai 1945, die deutsche Wehrmacht kapitulierte, war der Weg frei, den 2. Weltkrieg in Europa zu beenden und die Menschen vom Terror und der Willkür der Nationalsozialisten zu befreien.

Die Kriegstreiberei der Nazis sowie die mit perfider Systematik und Hinterhältigkeit begangene Judenverfolgung und die Zielsetzung des Rassenwahns hat unzählige Menschenleben gekostet.

So gab es auch Todesopfer in Velpke. Es waren Säuglinge und Kleinkinder. Die Mütter waren polnische und russische Zwangsarbeiterinnen und sie mussten hilflos erleben, wie ihre Kinder weggenommen wurden. Die Kinder kamen in eine sogenannte “Ausländerkinderpflegestätte”.

Das war eine Baracke in der Nähe der heutigen “Wetzsteinkuhlen” und völlig unzulänglich für den Zweck eines Kinderheimes, so unzulänglich, wie dann auch die Pflege der Kinder war. Die Kinder wurden bewusst unterversorgt und vernachlässigt und ihr Tod wurde billigend in Kauf genommen. So kam es dann dazu, dass 76 polnische und 15 russische Kinder im Jahr 1944 durch Unterversorgung starben und hier auf dem Velpker Friedhof beerdigt wurden.

Der Tag der Befreiung soll heute auch daran erinnern, dass sich eine menschenverachtende Staatsform nie wieder in Deutschland etablieren darf. Menschenverachtung beginnt schon mit rassistischen Äußerungen und Publikationen rechter Bürgerbewegungen und Parteien und wir müssen aufpassen und dagegen angehen und aufstehen!

In diesem Sinne möchte ich mit folgendem Zitat von Dr. Helmut Kramer zum Schluss kommen, einem Juristen, der das Unrecht und die Rechtsbeugung der NS-Justiz aufgearbeitet hat. Das Zitat lautet:

“Wer sich nicht beizeiten noch unter dem ungetrübten Himmel von Rechtsstaat und Demokratie in Kritik, Widerspruch und Zivilcourage übt, wird dazu, erst recht unter einem autoritären Regime, weder bereit noch in der Lage sein.”